Erich Schall – SONDE

Erich Schall – SONDE
[wuerfel 20]

Erich Schall

“SONDE”

Erich Schall gehört einfach zu den ganz Guten. Nicht nur, weil dies bereits sein drittes Album auf dem kleinen grünen Würfel ist. Sondern auch, weil er es schafft, sich nicht zu wiederholen. In der Rockmusik spricht man gerne vom schwierigen dritten Album. Erich Schall ficht das nicht an. Er hat schon lange zu seiner Musiksprache gefunden, wobei hier eigentlich die Mehrzahl angebracht ist. Denn, um bei diesem Bild einmal zu bleiben, Erich Schall spricht fließend Dub-Techno, Minimal, Elektro und neuerdings auch IDM und Downtempo. Aber wen interessieren in unserer Postmoderne noch Genre-Grenzen?
Niemanden, genau. Ach so, war eine rhetorische Frage. Egal.

Die freie Wahl der Mittel stellt Erich Schall vor das Problem, nicht in die Beliebgkeit abzudriften. Er löst dies ganz meisterhaft durch Selbstbeschränkung. Jedes Stück verfolgt exakt eine Idee und das ganz konsequent. Seien es nun Sounds von elektronischen Klanghölzern in „Sticks“, von einem Saxophon in „Saxblock“ oder von einem Klavier in „Quantifier“ – stets lotet er alle Möglichkeiten und Variationen bis ins letzte aus. Auch scheint es, als habe er zudem noch verschieden Tempi erforschen wollen. Denn vom extrem treibenden Peaktime Kracher „Tropical Dodge“ über hypnotische Midtempo Stücke für die Aufwärmphase wie „Outside the Tent“ oder „Seep“ bis hin zum abschließenden, chillig langsamen Rausschmeißer „Dew“ werden alle Zeiten bedient.

Ein Album für einen ganzen Abend also, mit einer wunderbaren Spannungskurve. Kann man gut durchhören. Aber natürlich darf sich auch jeder gerne seine Perle herauspicken. Und das Schöne dabei: Perlen gibt es für alle genug bei diesem Album.

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